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Unsere Markenschaetze und ihre Künstler
Eine Marke braucht Werbung um bekannt zu werden und sich ein eigenes, unverwechselbares Image aufzubauen. Viele bekannte Traditionsmarken haben ihre Werbeanzeigen, Plakate und Prospekte zu Beginn des 20.Jahrhunderts deshalb Künstlern anvertraut. Kunstmaler und Zeichner kreierten damals faszinierende Werbemotive. Mal verspielt im Jugendstil, plakativ und mondän im Art Decó, mal mit einem Hauch Erotik oder politischer Ironie… Die Auftraggeber ließen ihren Werbegrafikern meist große schöpferische Freiheiten.
Markenschaetze.de hat sich auf Spurensuche begeben und erste, kurze Steckbriefe von einigen dieser zeitgenössischen Künstlern zusammengestellt. Wir arbeiten kontinuierlich weiter daran, Biografien auszugraben und Initialen unter den Werbeanzeigen zu entschlüsseln. Hinweise von Sammlern, Kunstexperten und Kunstliebhabern nehmen wir gerne auf!
Bitte senden Sie uns Ihre Mitteilung an: redaktion@markenschaetze.de
Kurzvita Künstler
- Bayros, von Franz
- Bernhard, Lucian
- Christophe, Franz
- Cucuel, Edward
- Finetti, von Gino
- Georgi, Walter
- Gestwicki, Bruno(n)
- Gulbransson, Olaf
- Hansen, Knut
- Heilemann, Ernst
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- Heine, Thomas Theodor
- Hohlwein, Ludwig
- Jüttner, Willy
- Kober, Leo
- Münzer, Adolf
- Neumann, Hans
- Paul, Bruno
- Pepino, Anton Josef
- Puhonny, Ivo
- Reuters, Bernd
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Reuters, Bernd (1901 - 1958)
Schon als junger Mann legte der am 11. September 1901 in Berlin geborene Reuters (Taufname Bernhard Wilhelm Joseph) ein beachtliches Tempo vor. Er heiratete kurz vor seinem 21. Geburtstag, hatte zu dem Zeitpunkt bereits eine kurze Ausbildung an der Berliner Kunstgewerbeschule und seinen beruflichen Einstieg als Pressezeichner für den Scherl-Verlag, ebenfalls in Berlin, hinter sich.
Illustration: Die erste Karriere
Der Scherl-Verlag gab auflagenstarke Zeitschriften heraus, unter anderem Scherls Magazin, Die Woche und Sport im Bild. Bernd Reuters avancierte im Verlag bald zum Illustrator. Für das mondäne Gesellschaftsblatt Sport im Bild schrieb damals z.B. der noch unbekannte Schriftsteller Erich Maria Remarque zahlreiche Kurzgeschichten, zu denen Reuters die Illustrationen lieferte.
 1926 Bernd Reuters, Londoner Verkehr
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Die ersten, uns bekannten Novellen illustrierte er 1924. Anfangs signierte Reuters seine Werke in Versalien und ohne Datum. Ab August 1925 finden wir erstmals die zukünftig typische Signatur (seine Unterschrift) und ab 1926 nach einer London-Reise, zu seiner Signatur auch die Jahreszahl. |
Bernd Reuters arbeitete noch mehrere Jahre in dem Fach, sein Lieblingsobjekt Automobil brachte er in vielen seiner Illustrationen unter. 1930 entwarf er beispielsweise ein herausragendes Motiv für die Großstadtnovelle des Schriftstellers Norbert Jacques (Dr. Mabuse):
Mit Flächen und geometrischen Linien in verschiedenen Blautönen sowie der nächtlichen Straßenszenerie des Kurfürstendamms in Berlin komponierte Reuters ein expressionistisches Bild, das den Betrachter in den Bann des flirrenden Großstadtgeschehens zieht.
Grafik: Die zweite Karriere
Reuters Bekanntheitsgrad stieg rasant, sein Signet tauchte immer öfter auf den Schokoladenseiten der Magazine auf. Für Sport im Bild gestaltete er zwischen 1924 und 1931 sieben Titelseiten. Diese für die Verkaufsauflage wichtigen Seiten waren Werbung für die Marke Sport im Bild um sich im damaligen Medienmarkt abzuheben und sind aus unserer Sicht daher bereits als Werbegrafiken einzustufen. Aber nicht nur der Scherl-Verlag vertraute auf das Reutersche Talent. Auch die heute unter Sammlern legendäre Fachzeitschrift MoToR (Herausgeber Gustav Braunbeck) ließ nach unseren Recherchen zwischen 1927 und 1932 neun Titelseiten von ihm gestalten. Zwei davon waren wichtige Ausgaben anlässlich internationaler Automobilausstellungen (1928 und 1931). Reuters Geschick ein Auto wirkungsvoll zu inszenieren offenbart sich zum Beispiel an einer Titelseite der Sport im Bild des Jahre 1931:
Er zeichnete im plakativen Stil des Art Déco die elegante, moderne Dame der Zwanziger Jahre, übertrug dabei ihre Attribute auf das Automobil und verstärkte dessen Anziehungskraft. Mit Licht- und Schattenkontrasten wurden sowohl die Kleidung der Frau als auch die Karosserie des Autos betont.
Dem Automobil ein positives, modernes Image verleihen - diese meisterliche Fähigkeit von Bernd Reuters wollte auch die Industrie für sich nutzen. Ab 1926 gehörte die Gemeinschaft Deutscher Automobilfabriken (GDA) mit ihren Marken Brennabor und Hansa zu seinen ersten Kunden in puncto klassischer Markenwerbung. Parallel bekam der Gebrauchsgrafiker (so seine damalige Berufsbezeichnung) Aufträge des Reifenherstellers Continental. Für das Unternehmen in Hannover entwarf Reuters Titelbilder der Firmenzeitschrift (Echo Continental). Zu Ausflügen in andere Branchen wurde er ebenfalls eingeladen. Auf der langen Reuterschen Kundenliste trugen sich z. B. die Film- und Fotospezialisten Agfa, das Sekthaus Henkell und Protos Hausgeräte (Siemens) ein.
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 1930 Bernd Reuters, Großstadtnovelle
 1931 Bernd Reuters, Titelbild Sport im Bild
 1928 Bernd Reuters, Brennabor der Schönste!
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Sein kreatives Potential konzentrierte er in den Folgejahren allerdings rund um das Automobil einschließlich Zubehör und ließ ihn damit in die Formel Eins der automobilen Werbekünstler fahren. In einem großen Beitrag über Autoreklame war 1929 in der Zeitschrift MoToR vom unübertroffenen Fluidum aller Reuters Anzeigen zu lesen.
In seinen Auftragsbüchern tauchten immer mehr Automobil-Marken auf: 1928 Elite (Diamant-Werke, von Opel noch 1928 übernommen), 1929 Graham (US-Import, Graham-Paige), 1930 Ford-Lincoln (US-Import, Lincoln Motor Company), ab 1931 Adler und Horch, ab 1932 Opel und Röhr, ab 1933 Auto-Union (für die Einzelmarken Audi, DKW, Horch und Wanderer), ab 1935 Morris und Wolseley (GB, Morris Motor Company), ab 1938 Autounion (für die Dachmarke, vier Ringe für vier Marken), ab 1949 Ford (Ford-Werke, Köln) sowie ab 1950 dann VW. Was die Schaffensperiode der 30er-Jahre anging, hatte Bernd Reuters damit die drei damals Markt führenden Autobauer (Opel, Auto-Union und Adler) für sich gewonnen. Dass keiner dieser Kunden einen Wettbewerbsausschluss durchsetzen und sich Reuters damit exklusiv sichern konnte, dürfte für die Popularität und Spitzenstellung dieses Werbegrafikers sprechen.
Design: Die dritte Karriere als Kritiker und Gestalter
Die leidenschaftliche Beschäftigung mit dem Automobil führte dazu, dass sich der Grafiker und Ästhet auch mit dem Karosseriedesign auseinandersetzte. Mit dem was ihm gefiel oder missfiel, hielt er nicht hinter dem Berg. Zwischen 1928 und 1935 publizierte Reuters in Sport im Bild und in der MoToR zahlreiche Beiträge, reicherte seine Entwicklungsideen gleich mit zeichnerischen Entwürfen an. Zu seinen ersten uns bekannten, kritisch-konstruktiven Impulsen gehörten beispielsweise Neue Autoformen (1928) Vollendung der Form (1929) oder Für den Zweisitzer (1930). Für das Fachblatt MoToR lieferte Bernd Reuters Anfang 1932 unter der Überschrift Motorkutsche - Stromlinienwagen Text und Zeichnungen. Zum zweiseitigen Beitrag gab es dieses Vorwort der Chefredaktion:
 1931 Bernd Reuters, Stromlinienwagen Zeitschrift MoToR 1932
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Unter den Schöpfern der ‚neuen Linie' im Autobau nimmt Bernd Reuters heute eine führende Stellung ein. Seine Entwürfe von Automobilen, insbesondere von Karosserieformen weisen der kommenden Entwicklung den Weg.
Er entwarf u.a. auch den Wagen auf unserem Titelbild, der von der gewohnten Formgebung eines Automobils allerdings so stark abweicht, dass er von der Mehrzahl der Beschauer nicht so ohne weiteres verstanden werden dürfte. Deshalb baten wir Reuters, sein Titelbild durch einen Artikel mit Zeichnungen, die die wichtigsten Etappen der Entwicklung der Automobilform veranschaulichen sollen, zu ergänzen. Die Schriftleitung |
Der Grafiker und Automobil-Journalist bewies mit seinem Auto auf der Titelseite einmal mehr auch Designer-Qualitäten. Er war zukunftsweisend! Zeitgleich erschien zu diesem Konzept sein ausführlicher Beitrag in Sport im Bild. Darin stellte Reuters das Gesamtkonzept des Fahrzeugs vor: Vom Chassis, über Motor- und Antrieb, Details der Innenausstattung bis zu Einzelheiten der Karosserie.
Als Adler 1937 den 2,5 Liter Autobahn-Adler mit der Stromlinie herausbrachte, durfte Bernd Reuters dann auch eine ganze Anzeigenserie und den passenden Prospekt gestalten.
Nachdem die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht übernommen hatten, musste sich auch Bernd Reuters mit den staatlichen Kontrollinstanzen auseinandersetzen. Die Reichskammer der Bildenden Künste forderte 1938 einen Abstammungsnachweis. Aus der Reuterschen Personenakte (heute hinterlegt im Landesarchiv Berlin) geht hervor, dass der Großvater mütterlicherseits ursprünglich dem jüdischen Glauben angehört hatte. Das drohende Berufsverbot ging an Bernd Reuters jedoch vorbei. Setzten sich die mächtigen Autokonzerne für ihn als geschätzten Mitarbeiter ein? |
 1938 Bernd Reuters Adler, Die Stromform
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Während des Zweiten Weltkrieges blieb Bernd Reuters ein gut beschäftigter Grafiker. 1943 wurde allerdings auch für ihn zu einem Schicksalsjahr: Sein Atelier in Berlin-Lichterfelde brannte nach einem Bombenangriff nieder, dabei sollen viele Originalzeichnungen und Skizzen vernichtet worden sein. Auf seinen Antrag gestattete ihm die Reichskammer der Bildenden Künste 1944 die Ausreise aus Berlin. Bernd Reuters zog fürs erste ins brandenburgische Neuglobsow am Stechlinsee. Nach Kriegsende und Ortswechsel nach Hamburg waren es Ford und VW, die Reuters für ihre Werbung verpflichteten. Vor allem bei den Wolfsburger Autobauern beeinflusste er die werblichen Auftritte in den 50er Jahren maßgeblich. Sein Talent und sein Stil brachte wunderbare Prospekte für die Kultmarken Käfer, Bulli und den Karmann Ghia hervor.
 1956 Bernd Reuters, VW Karmann Ghia (Prospekt)
Ästhetisch schön und farbenfroh weckte er die Sehnsucht nach einem Ausflug mit dem Auto oder zeigte fröhliche Gesichter, die sich nach Jahren der Entbehrung (wieder) ein Auto leisten konnten.
Stifte und Pinsel des automobilen Künstlers ruhten abrupt am 6. Juli 1958, als Bernd Reuters im Alter von erst 56 Jahren in Hamburg nach einem Herzinfarkt verstarb. Über den Privatmensch Reuters ist - bisher - kaum etwas bekannt. Seinen Namen und sein Lebenswerk kennen heute nur noch wenige Automobil- und Kunstfans. Dieser Meister der Autoreklame verdient mehr Bewunderer - Markenschaetze.de hat deshalb bereits mehr als 100 grafische Arbeiten von Bernd Reuters in seine Reklame-Datenbank aufgenommen. Die Suche nach weiteren ist noch lange nicht vorbei.
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Auch mit 80 Jahren noch en VOGUE
Das große Modemagazin und ihr wahres Alter.
Für viele (prominente) Frauen ist ihr Alter ihr best gehütetes Geheimnis. Das gilt auch für die First Lady der deutschen Modemagazine, die VOGUE. Als Geburtsjahr gibt sie offiziell 1979 an, 2009 wird sie demnach mit ihren Leserinnen den 30sten feiern. Auch wenn ihr jeder dieses Alter abnimmt, oder sie vielleicht noch jünger schätzt: Tatsächlich gab es die VOGUE in Deutschland schon 1928. Ein Geheimnis, das eigentlich keins sein muss. Die 80-jährige VOGUE glänzte mit herausragenden Kunstwerken auf ihren Titelseiten. |
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